Forschung

Die erste englischsprachige Arbeit, die sich ausführlicher mit dem Leben und Werk von Makiguchi auseinandergesetzt hat, ist das Buch "Makiguchi The Value Creator" von Dayle M. Bethel. Es erschien 1973, erfuhr 1994 eine Neuauflage und hat in wissenschaftlichen Kreisen von Beginn an viel Anerkennung gefunden. Heute gilt die Arbeit als gesicherter Ausgangspunkt und Standardreferenz in der englischsprachigen Makiguchi-Forschung.

Dayle M. Bethel ist später auch als Herausgeber von Makiguchis Erziehungsphilosophie, "Education for Creative Living" (1989) sowie seiner landeskundlichen Geografie, "A Geography of Human Life" (2002) in Erscheinung getreten. Er hat zu beiden Werken Einleitungen verfasst, die für die Forschung weiterführende Hinweise geben.

1998 hat Bethel an der Internationalen Universität in Kyoto einen Vortrag gehalten, der in seiner schriftlichen Fassung unter dem Titel "Makiguchi´s Philosophy of Peace and Human Security" einen guten Überblick zu Makiguchis Denken vom Standpunkt des Autors gibt. Der Vortrag wird hier mit freundlicher Genehmigung von Dayle M. Bethel in seiner deutschen Fassung zur Verfügung gestellt.

Larry A. Hickman ist Professor für Philosophie an der Southern Illinois University, Carbondale und seit 1993 Leiter des der Universität angegliederten Center for Dewey Studies, der weltweit führenden Forschungseinrichtung zur Arbeit des amerikanischen Reformpädagogen John Dewey (1859-1952).

Im Zuge der Vorbereitungen von Gedenkveranstaltungen anlässlich des 50. Todestags von Dewey 2002 kam es zu Kontakten zwischen dem Center for Dewey Studies und Daisaku Ikeda, dem heutigen Präsidenten der von Makiguchi in den 1930er Jahren gegründeten buddhistischen Laienorganisation "Soka Gakkai". Da Hickman offenbar im Denken der beiden Reformpädagogen Makiguchi und Dewey einige Entsprechungen sah, lud er Ikeda ein, einen wissenschaftlichen Essay zum Thema zu verfassen. Der Essay "John Dewey and Tsunesaburo Makiguchi: Confluences of Thought and Action" von Ikeda wurde im Juni 2001 auf der Internetseite des Center for Dewey Studies veröffentlicht und erschien zeitgleich als Einleitung in Ikedas Buch Soka Education.

Larry Hickman hat seine eigene Sicht auf die intellektuelle Verwandtschaft von Dewey und Makiguchi am 01.06.2002 (dem 50. Todestag von Dewey) im New Yorker Kulturzentrum der "Soka Gakkai" in einer Rede mit dem Titel "Democracy and Global Citizenship: Creating Value by Educating for Social Reform" dargelegt. 2003 hat Hickman die dort geäußerten Gedanken in einem kürzeren Vortrag mit dem Titel "Democracy, Education and Value Creation" am Institut for Oriental Philosophy in Tokio zusammengefaßt.

Einen weiteren Höhepunkt fand die Zusammenarbeit zwischen dem Center for Dewey Studies in den USA und einer von Makiguchis Denken inspirierten Lehr- und Forschungseinrichtung im Jahr 2007 durch die Einrichtung des japanischen Ablegers des Center for Dewey Studies an der Soka Universität in Tokio.

Als Einrichtung befaßt sich das Ikeda Center in Boston, eine Denkfabrik, die sich Fragen der Friedensforschung und Gesellschaftsentwicklung im 21. Jahrhundert widmet, seit längerem mit dem Leben und Werk Makiguchis.

So hat das Ikeda Center 2002 einen Sammelband zu den gemeinsam mit dem Dewey Center und der Harvard Universität ausgerichteten Dewey-Gedenkveranstaltungen herausgegeben ("John Dewey, Half Century Memorial Seminar and Lecture Series"), in dem sich u.a. die oben genannte New Yorker Rede von Larry Hickman findet.

Vom Ikeda Center initiierte Buchprojekte, die u.a. auf Makiguchis Erziehungsdenken Bezug nehmen, sind: "Educating Citizens for Global Awareness", herausgegeben von Nel Noddings 2005 sowie "Ethical Visions of Education, Philosophies in Practice", herausgegeben von David T. Hansen 2007. Beide Bücher entstanden in Zusammenarbeit mit namhaften amerikanischen Erziehungsphilosophen und -praktikern und wurden von der Teachers College Press der Columbia Universität New York herausgegeben.

Im April 2009 erschien in der amerikanischen Online-Fachzeitschrift Educational Studies ein Sonderheft zu Makiguchi: Special Issue: Tsunesaburo Makiguchi (1871-1944), Educational Philosophy in Context, in: Educational Studies, A Journal of the American Education Studies Association, Volume 45, No. 2 2009, pp. 109-228.

Das 2014 erschienene Buch "Living as Learning, John Dewey in the 21. Century", das ein Gespräch zwischen Jim Garrison, Larry Hickman und Daisaku Ikeda dokumentiert, macht deutlich, dass auch Jim Garrison die von Hickman und Ikeda aufgeschlossene Perspektive auf das Denken von Dewey und Makiguchi teilt.

Wie diese Ausführungen zeigen, findet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk von Makiguchi außerhalb Japans vornehmlich in den USA statt. Zwar liegen Übersetzungen seiner Werke neben Englisch in weiteren europäischen Sprachen vor, doch reicht auch die in Europa wohl führende italienische Makiguchi-Forschung nicht an die Intensität der amerikanischen Auseinandersetzung mit Makiguchis Werk heran.

Ein deutschsprachiges Forschungsinteresse, das dem in den USA und in Italien entspricht, gibt es nicht. Die Diplomarbeit von Veronica M. Kaplan: "Ganzheitliche Erziehung von dem Hintergrund des japanischen Bildungssystems. Die werteschaffende Erziehung von Tsunesaburo Makiguchi", aus dem Jahr 2003 leistet hier Pionierarbeit. Die Arbeit, die bisher nicht in Buchform erschienen ist, wird hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin zum Studium angeboten. Als ältere deutschprachige Quelle ist Werner Kohlers Darstellung in "Die Lotus-Lehre und die modernen Religionen in Japan" (1962) S. 203-225 zu erwähnen.

Für einen Überblick geeignet und nützlich, indes keine wissenschaftliche Quelle, ist die 2012 von der Soka Gakkai Internationale Deutschland herausgegebene Broschüre "Der Begründer der Soka-Erziehung Tsunesaburo Makiguchi".